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Der Sonovisor

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Dr. Helgi-Jón Schweizer (rechts) in seinem Labor mit einem Prototypen

Die Theorie in wenigen Worten

Es ist eine gängige Meinung, dass Musik in erster Linie, wenn nicht gar ausschließlich, über den Gehörsinn wahrgenommen wird. Es ist allerdings auch eine psychologische Binsen-Weisheit, dass die verschiedenen Sinne nicht voneinander unabhängig sind. Wahrnehmung ist ein Prozess, bei dem stets alle Sinne – wenn auch in stark unterschiedlicher Gewichtung – zusammenwirken.

Es ist eine gängige Meinung, dass beim Wahrnehmen etwas auf uns zukommt, dass wir etwas aufnehmen, das aktiv auf uns als passive Empfänger einwirkt. Es ist allerdings auch eine psychologische Allerweltsweisheit, dass wir Wahrnehmungen auch erzeugen, sozusagen von innen heraus produzieren können. Wir tun dies beispielsweise, wenn wir träumen, oder wenn wir halluzinieren. Es lässt sich aber auch unschwer zeigen, dass jedes Wahrnehmen solche endogenen Anteile enthält: Wir sehen, was wir zu sehen erwarten, was wir sehen wollen, und wir tun dies in umso höherem Maße, je weniger definiert und eindringlich der „Außenanteil“ ist. Man könnte auch sagen, je schwächer der „Zustrom“ ist.

Im Falle eines weitgehend leeren bzw. deprivierten visuellen Umfeldes gewinnt – unter geeigneten Bedingungen – die endogene visuelle Wahrnehmungs-Produktion die Oberhand und lässt sich über den akustischen Signalzustrom bzw. Kanal beeinflussen.

Solche Bedingungen sind bei der Präsentation eines „visuellen Ganzfeldes“ gegeben. Dabei handelt es sich um ein homogenes Lichtfeld, welches das gesamte Blickfeld ausfüllt. In etwa so, als blicke man in einen mehr oder weniger hell leuchtenden Nebel.

Die Herstellung eines Ganzfeldes ist ein zentraler Aspekt vorliegenden Projektes. Anders ausgedrückt, die Reduzierung der visuellen Wahrnehmung bei voller Wachheit. Auf diesem Wege soll der Konzertsaal gleichsam nach innen in die Vorstellung, besser gesagt, in den Bereich der (Tag-) Träume der Zuhörer verlegt werden. Sie träumen, so könnte man es etwas blumig beschreiben, angeregt und angeleitet von der Musik, die sie im Konzert erleben.

Musik wird bei einem Konzert traditionell von ausführenden und in der Regel auch gut sichtbaren Musikern vermittelt. Sie sind entscheidender Quell des visuellen Signalstromes für die Zuhörer. Eine, vor allem, auch theoretisch wichtige Ausnahme ist der Tanz, bei dem die Tänzer durch ihren physischen Ausdruck bzw. durch ihre Körpermotorik die Vermittlung der Musik übernehmen.

Häufig übersehen wird bei Überlegungen zu diesem Thema die Rolle des laufenden, interaktiven Zusammenwirkens von Musikern bzw. Akteuren und dem Auditorium. Entscheidend hierfür ist die so genannte „Kopräsenz“, zu deutsch die „leibhaftige Anwesenheit“ beider.

Elektronische Musik wirft insofern Probleme auf, als bei ihr nicht ausführende Musiker auf einer Bühne sichtbar aktuell und interaktiv agieren. Dem Konzertgeschehen fehlt in diesem Falle die adäquate, visuelle Komponente. Diesem Umstand abzuhelfen, ist Ziel und Zweck vorliegenden Projektes. Der visuelle Raum wird beim Projekt „Sonosphäre“ zwar durch Lichtregie gestaltet, im Wesentlichen jedoch entsteht er durch Anregung und Lenkung der Vorstellungs- bzw. Traumproduktion.

Ein spezielles musikalisches Mittel ist bei diesem Unterfangen das räumliche Hören, die Stereophonie im weitesten Sinne.

Wissenschaftliche Untersuchungen sind in diesem Bereich – speziell im Hinblick auf eine neue Kunstform – weitgehend noch ausstehend. Es handelt sich also auch in wissenschaftlicher Hinsicht um Neuland, das es zu erforschen gilt.

Das Projekt „Sonosphäre“ ist in hohem Grade avantgardistisch und ist durchaus dafür geeignet inter-nationales Aufsehen bzw. Interesse erregen. Es empfiehlt sich also schon aus diesem Grund eine wohlbedachte Vorgangsweise mit gründlichen Vorstudien und gewissenhafter Dokumentation.

Es handelt sich um entschieden mehr als ein einmaliges, eventuell sensationelles Bühnenspektakel. Es ist vielmehr der Anfang einer hoch interessanten Entwicklung, eine neue Dimension im Konzertgeschehen.

Forschung mit einem frühen Prototypen

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Biographische Informationen

Univ. Doz. Dr. Helgi-Jón SchweizerProjektrelevante ForschungsschwerpunkteProjektspezifische ArbeitenProjektrelevante Publikationen